Eine konstruktive Kritik am gängigen Wirtschaftssystem


Krankheitssymptome


Das gegenwärtige Wirtschaftssystem in den meisten Teilen der Welt weist eine Reihe von Paradoxien auf, die ich im folgenden kurz aufzählen möchte, um sie später eingehender darzulegen:

  1. Nach gängiger allgemeiner Auffassung ist ein Fortbestehen unseres Wirtschaftssystems ohne langfristiges Wachstum nicht möglich.
  2. Arbeit war ursprünglich Mittel zum Zweck des Überlebens. Inzwischen ist jedoch die Auffassung gängig, dass ein Leben ohne Arbeit, also die Arbeitslosigkeit, einen der schlimmsten gesellschaftlichen Zustände kennzeichnet.
  3. Investitionen in Aktien werfen langfristig einen höheren Gewinn ab, als andere Anlageformen. Wenn dem so wäre, müsste der Staat entweder sehr dumm oder sehr korrupt sein, seine Anteile an diversen Aktiengesellschaften an die Börse zu bringen.
  4. Konsum ist gut. Es stimuliert die Wirtschaft und sichert damit Arbeitsplätze. Noch vor wenigen Generationen galt es als Zierde sparsam zu sein und Resourcen nicht unnötig zu verschwenden. Heutzutage übertrumpfen sich unsere Politiker mit immer neuen Vorschlägen, wie man die Bürger doch nur dazu bringen könnte, endlich mehr zu konsumieren und weniger zu sparen.
  5. Wir belegen die menschliche Arbeitskraft mit hohen Steuern, vergleichbar der Besteuerung von Tabak und Benzin. Gleichzeitig wünschen wir uns aber sehnlichst weniger Arbeitslose.

Ein Lösungsvorschlag

Ein künftiges Wirtschaftssystem muss auf den folgenden Grundsätzen aufbauen:

  1. Steuern dürfen nur auf solche Prozesse erhoben werden, die volkswirtschaftlich oder weltwirtschaftlich schädlich sind. Dies bedeutet es dürfen keine Steuern auf menschliche Arbeitsleistungen erhoben werden.
  2. Zur Gewährleistung eines menschenwürdigen Lebens steht jedem Menschen ein staatliches Grundgehalt zu, dass an keine andere Gegenleistung geknüft ist, als an die Loyalität gegenüber dem auszahlenden Staat.
  3. Zur Sicherstellung der staatlichen Einnahmen ist der Verbrauch natürlicher Resourcen, die Verschmutzung der Umwelt, sowie die Anstiftung hierzu mit hohen Steuern zu belegen.
  4. Sozialleistungen wie das Gesundsheits- und Rentensystem sind aus Verbrauchssteuern zu finanzieren.
  5. Die Entstehung der Preise wird weiterhin durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Die Verbrauchssteuern sollen nur eine Lenkungswirkung entfalten.

Einstein soll einmal gesagt haben, dass nichts in der Welt so schwer zu verstehen sei wie die Einkommensteuer. Streng genommen gibt es für die Einkommensteuer keine logische Grundlage. Unbestritten ist, dass jeder Staat eine Einnahmequelle braucht. Deshalb belegt er für gewöhnlich all diejenigen Aktivtäten, die er für kontraproduktiv hält, jedoch nicht als für so gefährlich ansieht, dass er sie zu verbieten gedenkt, mit mehr oder minder hohen Steuern. Von diesen Prinzip gibt es eine einzige Ausnahme: die Einkommensteuer. Oder kann ein Staat ein Interesse daran haben, dass seine Bürger wenig verdienen? In einer Diktatur wäre dies durchaus möglich, in einer Demokratie nur dann, wenn sich die Mehrheit explizit nach Armut sehnte.

Die Einkommensteuer ist historisch gesehen älter als das staatliche Lenkungsbedürfnis. Sie entstammt dem Zehnten, den die Bauern zu geben hatten, und ist das historisches Relikt einer Zeit, in der die technischen Möglichkeiten zu einer differenzierteren Besteuerung nicht vorhanden waren. Oft wird die Einkommensteuer heutzutage damit gerechtfertigt, dass ihre Progression einen sozialen Ausgleich schaffe. Dieses Argument schießt jedoch am Ziel vorbei, denn es rechtfertigt nicht die Einkommensteuer, sondern das Prinzip Steuern progressiv zu erheben. Das Progressionsprinzip ließe sich heutzutage ohne großen technischen Aufwand auch auf Verbrauchssteuern wie die Mehrwert- oder Mineralölsteuer anwenden.

Gleichwohl führt die Einkommensteuer zu gravierenden Nachteilen sowohl für den Einzelnen als auch für die Wirtschaft als Ganzes: Denken Sie nur daran, wie oft sie sich als Laie bei Handwerkerarbeiten versucht haben und das ganz unabhängig davon, ob Ihr Stundenlohn höher oder niedriger als der eines Handwerkers ist. Einkommensteuern (und Lohnnebenkosten) sorgen dafür, dass Sie sich lieber viele Stunden selbst abmühen als für wenige Stunden einen Handwerker zu bezahlen. Reparaturen werden heute kaum mehr ausgeführt. Oft ist schon die Anreise des Servicepersonals wegen deren Steuern und Lohnnebenkosten teurer als die Verschrottung plus Neukauf.

Es gibt kein anderes schlüssiges Argument zu Beibehaltung der Einkommensteuer als die historische Gewohnheit und die Kosten und Verwerfungen einer Umstellung des Besteuerungssystems. In der Praxis kommt daher wohl eher eine stufenweise, besser gleitende Abschaffung der Einkommensteuer in Betracht.

Alle Ausführungen zur Einkommensteuer betreffen die anderen Lohnnebenkosten in gleicher Weise. Auch ihre Existenz ist rein historischer Natur und nicht sachlich begründet.