Eine konstruktive Kritik am
gängigen Wirtschaftssystem
Krankheitssymptome
Das gegenwärtige Wirtschaftssystem in den meisten Teilen der Welt
weist eine Reihe von Paradoxien auf, die ich im folgenden kurz
aufzählen möchte, um sie später eingehender darzulegen:
- Nach gängiger allgemeiner Auffassung ist ein
Fortbestehen unseres Wirtschaftssystems ohne langfristiges Wachstum
nicht möglich.
- Arbeit war ursprünglich Mittel zum Zweck des
Überlebens. Inzwischen ist jedoch die Auffassung gängig, dass
ein Leben ohne Arbeit, also die Arbeitslosigkeit, einen der schlimmsten
gesellschaftlichen Zustände kennzeichnet.
- Investitionen in Aktien werfen langfristig einen
höheren Gewinn ab, als andere Anlageformen. Wenn dem so wäre,
müsste der Staat entweder sehr dumm oder sehr korrupt sein, seine
Anteile an diversen Aktiengesellschaften an die Börse zu bringen.
- Konsum ist gut. Es stimuliert die Wirtschaft und
sichert damit Arbeitsplätze. Noch vor wenigen Generationen galt es
als Zierde sparsam zu sein und Resourcen nicht unnötig zu
verschwenden. Heutzutage übertrumpfen sich unsere Politiker mit
immer neuen Vorschlägen, wie man die Bürger doch nur dazu
bringen könnte, endlich mehr zu konsumieren und weniger zu sparen.
- Wir belegen die menschliche Arbeitskraft mit
hohen Steuern, vergleichbar der Besteuerung von Tabak und Benzin.
Gleichzeitig wünschen wir uns aber sehnlichst weniger
Arbeitslose.
Ein Lösungsvorschlag
Ein künftiges Wirtschaftssystem muss auf den folgenden
Grundsätzen aufbauen:
- Steuern dürfen nur auf solche Prozesse erhoben werden,
die volkswirtschaftlich oder weltwirtschaftlich schädlich sind.
Dies bedeutet es dürfen keine Steuern auf menschliche
Arbeitsleistungen erhoben werden.
- Zur Gewährleistung eines menschenwürdigen Lebens
steht jedem Menschen ein staatliches Grundgehalt zu, dass an keine
andere Gegenleistung geknüft ist, als an die Loyalität
gegenüber dem auszahlenden Staat.
- Zur Sicherstellung der staatlichen Einnahmen ist der
Verbrauch natürlicher Resourcen, die Verschmutzung der Umwelt,
sowie die Anstiftung hierzu mit hohen Steuern zu belegen.
- Sozialleistungen wie das Gesundsheits- und Rentensystem sind
aus Verbrauchssteuern zu finanzieren.
- Die Entstehung der Preise wird weiterhin durch Angebot und
Nachfrage bestimmt. Die Verbrauchssteuern sollen nur eine
Lenkungswirkung entfalten.
Einstein soll einmal gesagt haben, dass nichts in der Welt so
schwer zu verstehen sei wie die Einkommensteuer. Streng genommen gibt
es für die Einkommensteuer keine logische Grundlage. Unbestritten
ist, dass jeder Staat eine Einnahmequelle braucht. Deshalb belegt er
für gewöhnlich all diejenigen Aktivtäten, die er
für kontraproduktiv hält, jedoch nicht als für so
gefährlich ansieht, dass er sie zu verbieten gedenkt, mit mehr
oder minder hohen Steuern. Von diesen Prinzip gibt es eine einzige
Ausnahme: die Einkommensteuer. Oder kann ein Staat ein Interesse daran
haben, dass seine Bürger wenig verdienen? In einer Diktatur
wäre dies durchaus möglich, in einer Demokratie nur dann,
wenn sich die Mehrheit explizit nach Armut sehnte.
Die Einkommensteuer ist historisch gesehen älter als das
staatliche Lenkungsbedürfnis. Sie entstammt dem Zehnten, den die
Bauern zu geben hatten, und ist das historisches Relikt einer Zeit,
in der die technischen Möglichkeiten zu einer differenzierteren
Besteuerung nicht vorhanden waren. Oft wird die Einkommensteuer
heutzutage damit gerechtfertigt, dass ihre Progression einen sozialen
Ausgleich schaffe. Dieses Argument schießt jedoch am Ziel vorbei,
denn es rechtfertigt nicht die Einkommensteuer, sondern das Prinzip
Steuern progressiv zu erheben. Das Progressionsprinzip ließe sich
heutzutage ohne großen technischen Aufwand auch auf
Verbrauchssteuern wie die Mehrwert- oder Mineralölsteuer
anwenden.
Gleichwohl führt die Einkommensteuer zu gravierenden Nachteilen
sowohl für den Einzelnen als auch für die Wirtschaft als
Ganzes: Denken Sie nur daran, wie oft sie sich als Laie bei
Handwerkerarbeiten versucht haben und das ganz unabhängig davon, ob Ihr Stundenlohn höher oder niedriger
als der eines Handwerkers ist. Einkommensteuern (und Lohnnebenkosten)
sorgen dafür, dass Sie sich lieber viele Stunden selbst abmühen als für wenige Stunden einen Handwerker zu bezahlen.
Reparaturen werden
heute kaum mehr ausgeführt. Oft ist schon die Anreise des
Servicepersonals wegen deren Steuern und Lohnnebenkosten teurer als die
Verschrottung plus Neukauf.
Es gibt kein anderes schlüssiges Argument zu Beibehaltung der
Einkommensteuer als die historische Gewohnheit und die Kosten und
Verwerfungen einer Umstellung des Besteuerungssystems. In der Praxis
kommt daher wohl eher eine stufenweise, besser gleitende Abschaffung der
Einkommensteuer in Betracht.
Alle Ausführungen zur Einkommensteuer betreffen die anderen
Lohnnebenkosten in gleicher Weise. Auch ihre Existenz ist rein
historischer Natur und nicht sachlich begründet.